1985 Lotus 98T John Player Special

Movie-Cars

Motorengröße

1492cm³

(91cuin)

Unique Cars

Leistung

955PS

(702KW)

Racing-Cars

Getriebe

Manuell

Racing-Cars

Preis

gegen Gebot

Technische Daten

Fahrzeugtyp
Formel 1
Motorentyp
Renault-Turbomotor
Zylinder
6
Fahrgestell-Nr.
98T/2
Wagenfarbe
schwarz
Interiorfarbe
schwarz

Interne Nummer #250

Beschreibung

Lotus 98T


1986


Chassis 98T/2


Die konsequente und schnelle Zusammenarbeit von Gérard Ducarouge und der Lotus-Mannschaft zahlt sich aus. Nach dem bereits gelungenen 95T von 1984 gelingt ein Jahr später mit dem 97T die Rückkehr auf die Siegerstraße. Allerdings haben die Erfolge in Portugal und Belgien weniger technische als fahrerische Gründe. Peter Warr ist es gelungen, Ayrton Senna von Toleman loszueisen, und der Brasilianer schreibt mit seinem ersten Sieg Geschichte, als er im strömenden Regen von Estoril Kreise um die Konkurrenz fährt. Elio de Angelis feiert einen Heimsieg in Imola fährt abermals elf Mal in die Punkte, landet aber in der Endabrechnung der Saison hinter dem neuen Teamkollegen auf Rang fünf. Senna ist nur sechs Mal in die Punkte gefahren, stand aber jedes Mal auf dem Podium. Dass es nicht gelungen ist, gegen die dominanten Konkurrenten McLaren-TAG, Ferrari und Williams-Honda um den Titel zu fahren, liegt maßgeblich am Motor 


Renault versucht einen schwierigen Spagat. Auf der einen Seite hat die Regie ihr Rennteam in Viry-Chatillon dichtgemacht, auf der anderen Seite entwickeln die Franzosen weiter Motoren. Während die Kunden Ligier und Tyrrell mit Gebrauchtmotoren vorlieb nehmen müssen, die von Mechachrome in Bourges vorbereitet werden, wird Lotus als eine Art Renault-Werksteam behandelt, und auch wenn die Zeichen in Paris auf schleichendem Ausstieg stehen, gibt Motorenchef Bernard Dudot noch einmal richtig Gas.


Der letztjährige EF4-Motor war stark und verglichen mit seinen Vorgängern auch weitgehend zuverlässig, aber das Thema Benzinverbrauch bekamen die Renault-Ingenieure nicht in den Griff. Mehr als einmal musste Senna einen möglichen Rennsieg herschenken, weil der Sprit zur Neige ging. Die Lage verschärft sich 1986 noch. Die FIA hat im Vorjahr nach einem Aufstand der Teams davon Abstand genommen, das erlaubte Tankvolumen von 220 auf 195 Liter zu reduzieren, aber 1986 tritt die gefürchtete Regel in Kraft.


Immerhin, das erlaubt Ducarouge dank des kleineren Tanks ein flacheres und schmaleres Auto zu bauen. Der Franzose setzt auch eine neue Fertigungstechnik für das wie gewohnt aus Karbon, Kevlar und Aluminium-Waben gebackene Monocoque, das abermals etwas leichter geworden ist. Auch Renault hat Gewicht eingespart. Dudots Mannschaft verzichtet in der letzten Entwicklungsstufe des neuen EF15 im Zylinderkopf auf sämtliche Ventilfedern, denn die Ventile werden erstmals in der Formel-1-Geschichte pneumatisch geschlossen. Ohne anfällige Federn dreht die neue Konstruktion mühelos bis 12500 Touren, der EF15DP baut 2,5 Zentimeter flacher und vier Zentimeter kürzer, was Ducarouge erlaubt, das Heck schmaler zu gestalten, und so den Luftstrom zum Heckflügel zu verbessern.


Die Kompaktheit des neuen Triebwerks resultiert auch aus einer kleineren Bohrung und dafür verlängertem Hub, was in tieferen Drehzahlen für mehr Leistung sorgt und den Verbrauch verringert. Um den im Griff zu behalten, hat Dudot ein deutlich innovativeres Steuergerät entwickeln lassen. Der neue Motor kommt ohne Verteiler aus, das elektronische Motor-Management übernimmt die nun die deutlich variablere Zündung. Ein Display im Cockpit zeigt den Fahrern an, ob sie für die verbleibende Rundenzahl ausreichend Benzin an Bord haben. Ein lebendes Messgerät ist Ayrton Senna, der kleinste seismische Erschütterungen bei Temperaturen und Drücken spürt, lange bevor sich ein Defekt ankündigt. „Mit Senna brauchen wir eigentlich keine Telemetrie“, frotzelt Dudot.


Doch trotz aller Anstrengungen bleibt der Spritkonsum ein Thema und das schon beim Saisonauftakt. Ausgerechnet dem brasilianischen Rivalen Nelson Piquet muss ein wehrloser Senna beim Heimspiel in Rio kampflos den Sieg überlassen, weil er selbst sonst nicht ins Ziel gekommen wäre. In Jerez liefert sich Senna einen knappes Duell mit Mansell, das gar keines gewesen wäre, hätte er nicht ständig auf die Spritanzeige achten müssen. Senna siegt hauchdünn, der Tank ist wieder fast trocken.


Zu was der Lotus ohne Verbrauchsnot fähig ist, zeigt sich im Training. Bei jedem zweiten der 16 Saisonrennen steht Senna auf der Pole. Abgesehen von der überragenden Fähigkeit des Brasilianers, all sein Fahrkönnen in eine schnelle Runde zu packen, kommen zwei weitere Faktoren hinzuL: Der Renault-Turbo leistet zu Saisonbeginn kurzfristig schon 1014 PS, ab Saisonmitte sind es gar 1217.


Gérard Ducarouge hat die Konkurrenz wie schon im Vorjahr mit einem aerodynamischen Kniff überrascht: Beim 97T waren es die Leitbleche, die hinter den Vorderrädern den Luftstrom zu den Seitenkästen kanalisieren, beruhigen und den Abtrieb erhöhen, sie kommen auch beim 98T zum Einsatz. Nun hat sich Ducarouge eine abgesenkte Hinterradaufhängung ausgedacht, die den Lotus bei hohem Tempo auf dem Unterboden schleifen lässt. Der Funkenregen, den die zum Schutz des Unterbodens angebrachten Titan-Blöcke unter dem Auto erzeugen, sind der Konkurrenz ein Dorn im Auge. Das über den Boden schleifende Heck erhöht die Effizienz des ausladenden Diffusors erheblich. Alles Lamentieren der Gegner bleibt dieses Mal ungehört. Der Lotus wird auch von den FIA-Ingenieuren als legal befunden.


Weil beim dritten Lauf in Imola beide Autos mit ausgeschlagenen Antriebswellenlagern ausgefallen sind, kehrt Ducarouge zähneknirschend zu der älteren Lösung mit höheren Radträgern zurück, das aber bringt das Fahrwerk aus der Balance, und es braucht schon einen Senna, um trotzdem bei der Musik zu bleiben. Der führt in Spa, muss aber nach mehreren Bremsmanövern mit stehenden Rädern den Rivalen Mansell im Williams-Honda passieren lassen. Einen Konter muss sich Senna verkneifen: Der Spritcomputer ist dagegen. Auch beim sechsten Rennen in Montreal rollt Senna auf das Display schielend verhalten als Fünfter ins Ziel.


Den winkeligen Straßenkurs in Detroit mag Senna nicht besonders, aber hier sind die Verbräuche nicht so kritisch wie auf den schnellen Strecken. Trotz eines schleichenden Plattfußes, dessen Schaden das Team mit einem schnellen Boxenstopp in Grenzen hält, gewinnt Senna das Rennen und übernimmt zum dritten Mal in dieser Saison die Tabellenführung. Auch wenn der Brasilianer in der zweiten Saisonhälfte sieglos bleibt und am Ende WM-Vierter wird, in Detroit nimmt die Branche zum ersten Mal seit Mario Andretti im Lotus 78 im Zusammenhang mit dem Team Lotus das Wort „Fahrer-Weltmeister“ wieder in den Mund.


Detroit ist auch der erste Hoffnungsschimmer für den von Senna komplett in den Schatten gestellten Teamkollegen Johnny Dumfries. Der blaublütige Schotte, 1984 wie vor ihm Senna britischer Formel-3-Meister, ist vom Technikpech verfolgt, er kommt nur sechs Mal ins Ziel. Ein fünfter Platz in Ungarn und ein sechster Rang in Australien bleiben seine einzige Ausbeute. Dumfries fährt Chassis 98T/2, genau jenes Auto, das später seinen Weg in die Black & Gold-Collection findet. Schon als der siebte Markgraf von Bute in der zweiten Saisonhälfte langsam Tritt fasst, kommen Gerüchte auf, dass sich Lotus für die Saison 1987 mit Honda handelseinig ist. Dumfries wird für Satoru Nakajima Platz machen müssen, Peter Warr sieht bei Renault keine Zukunft mehr. Er wollte die japanischen Wundermotoren schon im 98T sehen, aber für die Saison 86 waren sie noch nicht verfügbar. Bei Renault schließt sich zehn Jahre nach dem Turbo-Debüt die Tür zur Königsklasse.


Und noch eine Ära geht zu Ende: Die Hanson-Gruppe, ein großer britischer Mischkonzern, übernimmt im April 1986 den mittlerweile angeschlagenen Tabak-Multi Imperial Tobacco und damit auch die Marke John Player Special. Das neue Regime hat kein Interesse mehr an der Formel 1 und kündigt den Vertrag zum Jahresende. Und so ist der schwarz-goldene 98T aus der Black & Gold-Collection der letzte John Player Special-Formel-1 in der Motorsport-Geschichte.