ChromeCars 1960 Fiat Bartoletti 306/2 auf dem Nürburgring in der Boxengasse

Technische Daten

Fahrzeugtyp
Renntransporter
Motorentyp
Leyland, turbogeladener Industriediesel
Zylinder
6
Getriebe
5-Gang Automatik
Fahrgestell-Nr.
3062001625
Türen
2
Wagenfarbe
blau
Interiorfarbe
blau

Fahrzeugbeschreibung

Beschreibung

Es gibt Renntransporter, die Zeit Ihres Daseins immer im Schatten der Rennwagen stehen, die sie transportieren. Und: Es gibt den Fiat Bartoletti. Die Geschichte dieses Rennzubringers ist so einzigartig und besonders, das ChromeCars unfassbar stolz ist, diese Ikone seit September 2018 zu seiner Familie zählen zu dürfen.

1959 bestellte der in Großbritannien geborene, amerikanische Playboy Lance Reventlow den Transporter bei der bekannten italienischen Karosseriebauerin Carrozzeria Bartoletti. Reventlow brauchte einen verlässlichen Rennzubringer, um seine Scarab F1-Fahrzeuge standesgemäß nach Europa zu transportieren. Reventlow Automobiles nutzte den Bartoletti dann von 1961 bis 1962 für eben diesen Zweck.

1962 erwarb kein Geringerer als Rennfahrerikone und Tuning-Pionier Carroll Shelby das Fahrzeug, mit dem Ziel, seine Cobra Daytona Coupés zu den Rennspots in Europa zu kutschieren, u.a. auch nach Le Mans. Weil die Shelby Sportwagen deutlich mehr wiegen als Formel1-Autos, musste er den Transporter um eine weitere Hinterachse ergänzen. Und natürlich verpasste ihm das Shelby-Team auch die typische blaue Lackierung, die er auch heute (wieder) trägt.

Als das Shelby-Team 1966 seine Rennaktivitäten in Europa beendete, wechselte der Fiat Bartoletti erneut den Besitzer. Erst stand er im Dienst des Lotus-Teams, dann fiel er in die Hände von Rennfahrer David Piper und war schließlich für das Alan-Mann-Team im Einsatz.

1970 folgte ein weiterer Ritterschlag: Das Filmteam um Steve McQueen, Solar Pictures, nutzte den Fiat Bartoletti für seinen legendären Kinostreifen „Le Mans” – und zwar in dreifacher „Kostümierung”. Er wurde als Renntransporter des Renault-Mirage-Teams in Szene gesetzt, daraufhin wurde er zum Zubringer für das Porsche-Gulf-Team und schließlich noch für die Autos von Scuderia-Ferrari. Für jeden Einsatz wurde der Renntransporter in der jeweiligen Teamfarbe neu lackiert und zeigte sich damit in einem Film in drei verschiedenen Farben.

Nach seiner kurzen Hollywood-Karriere wurde Michael Shoen neuer Besitzer des Bartolettis und schiffte den einstigen Renn-und Hollywood-Star von Europa nach Amerika. Shoen war Chef des Familienunternehmens U-Haul, einem Verleih für Umzugsausrüstung und Lagerung mit Sitz in Phoenix, Arizona, und im Besitz mehrerer Cobra-Fahrzeuge, die er mit dem Bartoletti transportieren wollte. Eigentlich beste Voraussetzungen, doch am Ende wurde die einstige Legende in der Wüste von Arizona abgestellt und vergessen, bis sie von Don Orosco entdeckt und gerettet wurde.

Der leidenschaftliche Oldtimersammler ließ den Bartoletti aufwendig restaurieren und teilweise modernisieren. Heute wird er von einem turbogeladenen 11,5 Liter Leyland 6 Zylinder Motor, statt des originalen 6,65 Liter Dieselmotors mit 92 PS angestrieben. Zusätzlich ließ ihn Orosco noch von Handschaltung auf Automatik umrüsten.
Nach zwei Jahren, etwa 8000 Arbeitsstunden und Restaurierungskosten in sechsstelliger Höhe, wurde das zum Wrack verkommene Fahrzeug wieder in eine echte shelby-blaue Schönheit verwandelt, deren erster öffentlicher Auftritt im September 2008 beim Laguna-Seca Raceway Oldtimer-Rennen frenetisch gefeiert wurde.

Zehn Jahre nach der „Wiedergeburt” des Fiat Bartolettis wurde er von ChromeCars 2018 beim Goodwood Revival in England ersteigert und hat nun sein Zuhause in Thüringen gefunden.

Der Fiat Bartoletti 306/2 erzählt eine der berühmtesten Geschichten im Motorsport

Fiat Bartoletti Ferrari Renntransporter
Fiat Bartoletti Ferrari Renntransporter
1960 Fiat Bartoletti 306/2 Shelby Cobra Renntransporter
1960 Fiat Bartoletti 306/2 Shelby Cobra Renntransporter

Einst als normaler Lkw auf der Straße eingesetzt, der nur durch seine kostbare Ladung auf der Doppeldecker-Bettung für Aufsehen sorgte, steht der Fiat Bartoletti Tipo 306/2 heute im Mittelpunkt jeder Oldtimer-Veranstaltung – sei es in Laguna Seca oder am Nürburgring.

Auch bekannt als Skarabäus oder Shelby-Transporter, war dieser maßgeschneiderte Zubringer fast drei Jahrzehnte lang Augenzeuge unzähliger bedeutender Momente der Motorsportgeschichte und dies bescherte ihm selbst eine einmalige Karriere. 1959 beauftragte der amerikanische Playboy Lance Reventlow die italienische Karosseriebauerin Carrozzeria Bartoletti, ihm einen Transporter zu bauen, damit er seine Scarab F1-Fahrzeuge stilgerecht nach Europa transportieren könne. Dieser Auftrag stellt die Geburtsstunde des Fiat Bartoletti dar.

In den letzten Jahren haben einige Quellen, darunter auch namhafte Verfasser, immer wieder behauptet, dass dieser Bartoletti im Auftrag von Maserati gefertigt wurden sei und und dass er u.a. den 250F von Rennlegende Juan Manuel Fangio zu seinem letzten Rennen in Reims gebracht hätte. Nach intensiven Recherchen von ChromeCars kann dieser Fakt jedoch absolut nicht verifiziert werden.

1960 Fiat Bartoletti 306/2 Shelby Cobra Renntransporter
Fiat Bartoletti Ferrari Renntransporter
ChromeCars 1960 Fiat Bartoletti 306/2 auf dem Nürburgring
ChromeCars 1960 Fiat Bartoletti 306/2 auf dem Nürburgring

Die Geschichte des Unternehmens Bartoletti geht auf das Jahr 1873 zurück, als Ermenegildo Bartoletti seine Werkstatt für den Bau von Kutschen und Wagen in Forli gründete. Die Manufaktur wuchs zu einer Fabrik heran, wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört und entwickelte sich danach mit Unterstützung des italienischen Staates zu einem großen Akteur auf dem Markt der Nutzfahrzeuge. Im Fahrerlager der Carozzeria wurde Bartoletti durch die in den späten fünfziger Jahren für Ferrari und Maserati gebauten Transporter bekannt. Zu seinen Boom-Zeiten arbeiteten fast 1000 Mitarbeiter in der Fabrik, die nur etwa eine Autostunde von Modena entfernt lag.

Bei der Recherche stieß ChromeCars auf einige Quellen, die sich sicher sind, dass der für Scarab entwickelte Bartoletti eine Schwester der ebenfalls angesehenen Ferrari-und Maserati-Transporter sei. Mit einem Unterschied: Der Scarab-Schlepper basiert nicht auf ein Lkw-Fahrgestell mit Lkw-Mechanik, sondern wurde auf Basis eines Fiat Tipo 306/2 “alpine” Bus-Chassis entwickelt, der 1959 als zweite Generation des Typs 306 eingeführt wurde.

Scarab war das erste und bisher einzige rein amerikanische Formel-1-Team, das sich 1960 eine Saison lang an den Wettbewerben beteiligte. Da die Fahrzeuge ständig unter Motorschäden litten, beendete das Team die Saison nach nur fünf Rennteilnahmen mit null Punkten.
Nachdem das F1-Programm von Reventlow gescheitert war, wurde der Transporter für den Rest des Jahres 1960 vom sich schnell entwickelnden Team Lotus eingesetzt.

In den vier folgenden Jahren weist die Geschichte des Bartoletti einige Lücken auf. Irgendwann in dieser Zeit wurde er ins Werk nach Forli zurückgebracht, um sich auf ein weiteres amerikanisches Rennteam, die America Camoradi, vorzubereiten. Der ursprünglich zweiachsige Transporter wurde in diesen Jahren mit seiner dritten Achse ausgestattet, um auch größere und schwerere Sportwagen transportieren zu können. Doch Camoradi kämpfte mit finanziellen Problemen und konnte den modifizierten Transporter, der 1964 wieder der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, in Fords “Prinzessinblau”, nicht bezahlen.

Zwischen 1965 und 1967 unterstützte Alan Mann Racing die europäischen GT-Aktivitäten von Ford und nutzte den Bartoletti, der mittlerweile in einem neuen Blauton, “Guardsmen blue”, lackiert war, um GT40s und Cobras zu den Rennen zu transportieren. Weil Henry Ford II. mit Enzo Ferrari in Fehde lag, mochte er es nicht, dass ein italienisches Fahrzeug zu seiner Flotte gehörte, und der Bus wurde an John Woolfe Racing verkauft.

Woolfe wiederum hatte viele Probleme mit dem Transporter und sagte irgendwann, er sei “froh, dessen Rückseite zu sehen”. 1970 kaufte ihm sein Landsmann David Piper den Bus ab, lackierte ihn in seiner Signaturfarbe, “BP grün” und nutzte ihn für eine Saison. Er war es auch, der den Bartoletti für Steve McQueens legendären Film „Le Mans“ zur Verfügung stellte. In dem Streifen übernimmt der Bartoletti mehrere „Rollen“ und wurde dafür jedes Mal umlackiert – zuletzt in Rot als Transporter der Scuderia Ferrari. Diese letzte Farbe passte perfekt zu Anthony Bamfords Rennteam, JCB Historic, das den Transporter nach den Dreharbeiten erwarb. JCB nutzte ihn hauptsächlich für historische Autotransporte und vermietete ihn zwischen 1976 und 1982 an GTC Mirage für deren Le Mans-Kampagnen.

1982 erwarb Michael Shoen, der Autor des Buches “Cobra-Ferrari Wars 1963-1965”, den Bus von Bamford und der 306/2 landeten zum ersten Mal in seiner Geschichte auf amerikanischem Boden. Shoen nutzte ihn bei verschiedenen historischen Motorsportveranstaltungen, bis eine komplizierte Familiensituation den immer noch ferrari-rot lackierten Bus in die Wüste von Arizona verschlug, wo er einige Jahre zum traurigen Nichtstun verdonnert war.

ChromeCars 1960 Fiat Bartoletti 306/2 auf dem Nürburgring

2006 fand der Skarabäus-Sammler Don Orosco den vernachlässigten Bartoletti und ließ ihn zwei Jahre lang restaurieren. Jeder, der jemals ein Auto restauriert hat, kann sich vorstellen, wie viel Arbeit, Zeit und Hingabe man in den neun Meter langen Doppeldecker stecken muss, um den exzellenten Zustand zu erreichen, den er heute noch hat. Orosco und sein Team benötigten dafür 8000 Stunden und etwa 600.000 US-Dollar.

1960 Fiat Bartoletti 306/2
1960 Fiat Bartoletti 306/2

Neben allen Schwierigkeiten fanden Herr Orosco und sein Team heraus, dass Bartoletti viele Teile selbst herstellte, es war eine echte Maßanfertigung im wahrsten Sinne des Wortes und all diese einzigartigen Accessoires mussten von Grund auf neu gefertigt werden. Nur der Leyland-Sechszylinder-Turbodieselmotor passt nicht zum Zustand von 1960, er übernahm die Rolle des ursprünglichen horizontalen Fiat-Sechszylinder-Diesel, als er irgendwann in den späten sechziger Jahren ausreichend wurde.

Der „wiedergeborene“ Skarabäus-Transporter feierte 2008 in Laguna Seca beim Monterey Historics den Beginn seines zweiten Lebens als gefeierter Klassiker. Und das ist er bis heute.

Timeline der Geschichte des 1960 Fiat Bartoletti 306/2

1960 Scarab Racing | Lotus — 1964 Shelby America International — 1965/67 Alan Mann Racing — 1967 John Woolfe Racing — 1970 Piper Atwood / Ferrari 250 LM Porsche 917 — 1971 Le Mans / Solar Pictures — 1972 JCB Racing — 1976 to 1982 JCB loaned to GTC Mirage — 1982 Michael Schoen — 2006 Don Orozco — 2019 ChromeCars

1960 Fiat Bartoletti 306/2
ChromeCars 1960 Fiat Bartoletti 306/2 auf dem Nürburgring

1956 FIAT-Bartoletti Tipo 642 Renntransporter
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